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07.07.2026

Wir begrüßen unseren neuen KI-Experten im Team: Pablo Heredia Cantillana

Pablo Heredia Cantillana begleitet am Fernstudieninstitut (FSI) Fach- und Führungskräfte dabei, ihr berufliches Können im KI-Zeitalter zukunftsfähig aufzustellen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt darin, Brücken zwischen akademischem Anspruch und der Praxis von Unternehmen zu schlagen – wie etwa beim jüngsten Austausch zwischen dem MBA-Programm Renewables und den BauTrainees der BHT. Für die Zukunft der Weiterbildung setzt er auf personalisierte Lernwege, die menschliches Urteilsvermögen mit neuen Technologien verzahnen.

In unserem Interview spricht er darüber, warum der Faktor Mensch durch KI an Wert gewinnt und wie das FSI echte, geprüfte Kompetenzen für die Praxis sichert.

Wir haben Pablo Heredia Cantillana zu seiner Motivation sowie seinen Erfahrungen mit dem Fernstudieninstitut interviewt:

„KI macht erfahrene Fachkräfte nicht überflüssig. Sie macht sie wertvoller – wenn sie ihr Urteilsvermögen neu kalibrieren.”

Was begeistert Sie persönlich am meisten an Ihrer Arbeit am Institut?

Am meisten begeistert mich der menschliche Teil: Menschen, die bereits im Beruf stehen, dabei zu begleiten, ihr Können zu schärfen. Vor einer Woche hatten wir dafür ein gutes Beispiel – eine gemeinsame Woche zwischen unserem MBA-Programm Renewables und den Teilnehmenden des Programms BauTrainees: ein Austausch mit Fachleuten für Photovoltaik, Windkraft und Wasserstoff, mit technischen Exkursionen, die nationale und internationale Sichtweisen, Bedürfnisse und fachliche Kriterien zusammenbringen. Das ist der eigentliche Reiz: Das FSI verbindet das hohe technische Niveau der BHT mit den realen Bedürfnissen erfahrener Fachkräfte. Gerade jetzt, wo KI viele Abläufe überrollt, wird etwas anderes wertvoll: das Urteilsvermögen und die spezifische Erfahrung, um zu entscheiden, was wirklich trägt. Diese Brücke zu bauen ist für mich der spannendste Teil der Arbeit.

Ein aktueller Essay vertritt die These, dass KI die Arbeitsteilung und damit den Spezialisten überflüssig machen könnte. Teilen Sie diese Sicht?

Teilweise. Auf der Ebene der kodifizierbaren Ausführung – ein erster Entwurf, das Formatieren von Daten, Übersetzen, eine Routineberechnung – verringert das Werkzeug drastisch den Abstand zwischen jemandem, der die Aufgabe beherrscht, und jemandem, der sie gerade erst zu formulieren weiß. Das ist real, und man sollte es nicht leugnen. Doch hier werden zwei Dinge verwechselt: ein Ergebnis zu erzeugen und für dieses Ergebnis einzustehen. KI demokratisiert wichtige Schichten der Ausführung; sie demokratisiert nicht die Verantwortung, die Validierung oder die Integration in einen realen Kontext. Der Spezialist verschwindet nicht: Er verlagert sich vom Tun zum Beurteilen, Prüfen und Integrieren. Bei Schiller heißt es in Wilhelm Tell: „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.” Stimmt. Aber Tell beherrscht die Axt. Das Werkzeug demokratisiert die Handlung, nicht die Meisterschaft.

Macht KI uns fähiger oder abhängiger – und wie verhindert die Weiterbildung das Zweite?

Das hängt davon ab, was wir delegieren. Ich nutze KI, um eine Hypothese zu beschleunigen oder Alternativen zu erzeugen – die Überprüfung und die endgültige Entscheidung überlasse ich ihr nicht. Delegiere ich die Routine und investiere die frei gewordene Zeit in Grenzprobleme, werde ich stärker. Delegiere ich die Anstrengung, die das Lernen erzeugt, verkümmert der Muskel. Einzelne aktuelle, noch vorläufige Studien zur intensiven Nutzung von KI-Assistenten deuten in diese Richtung. Und genau deshalb lässt sich Urteilsvermögen nicht herunterladen; es entsteht in realen Situationen, mit Begleitung und beobachtbaren Konsequenzen. Der Forscher Matt Beane zeigte am Beispiel der Roboterchirurgie, wie die Lernwege echter Expertise erodieren, sobald Technologie die Lernenden aus der Praxis verdrängt. In der Weiterbildung heißt das: begleitete Praxis an realen Fällen, der Mensch im Zentrum der Entscheidung – und eine Reihenfolge, die zählt: erst das Fundament, dann das Werkzeug.

Wenn Sie nach vorn blicken: Wohin entwickelt sich das FSI und welche Rolle spielen dabei Praxis und Zertifizierung?

Aus meiner Sicht – das ist eine persönliche Einschätzung – gehen wir in Richtung einer Einrichtung, die KI mit Urteilsvermögen integriert: Wir setzen KI ein, um das zu verstärken, was nur Menschen können und entscheiden, statt ihr das Urteil zu überlassen. Das verschiebt den Fokus vom einzelnen Kurs hin zu einer wiederkehrenden Begleitung: kurze Einstiegsformate, kumulierbare Kompetenzbausteine auf Hochschulniveau und Credentials, die Markt und Verwaltung anerkennen. Denn knapp ist nicht mehr das Wissen; knapp ist die glaubwürdige Bestätigung, dass jemand eine Fähigkeit tatsächlich beherrscht. Genau hier liegt das verteidigbare Terrain – besonders in regulierten Feldern. Ein Modell kann mir einen Entwurf für einen Drohnen-Flugplan schreiben; es kann die Betriebsgenehmigung, das Betriebshandbuch, die Risikobewertung und die rechtliche Verantwortung des Betreibers nicht ersetzen. Der europäische KI-Rechtsrahmen verlangt sogar ausdrücklich die menschliche Aufsicht über Hochrisiko-Systeme. Eine öffentliche Hochschule hat hier einen schwer kopierbaren Vorteil: das Siegel, die Nähe zu Forschung und Transfer und zu regulierten Branchen. Technologie allein transformiert nicht; sie transformiert, wenn sie auf einem System ruht: Methode, Daten, Governance und Validierung.

Welche strategischen Meilensteine möchten Sie mit Ihrem Bereich als Nächstes erreichen?

Mein wichtigster Meilenstein ist, das Modell von BauTrainees und Autonomen Systemen zu einem breiteren Angebot der kontinuierlichen Weiterbildung auszubauen – mit Schwerpunkt auf Datenkompetenz und KI für regulierte Felder, im öffentlichen wie im privaten Sektor. Das Ziel: Organisationen dabei zu unterstützen, Wissen, Urteilsvermögen und Technologie zusammenzubringen – und zwar mit dem Menschen in der Verantwortung. Das meint Human-in-the-Loop: die besten Werkzeuge, einschließlich KI – aber die Entscheidung und die Verantwortung bleiben beim Menschen, gestützt auf echte Erfahrung. Wenn das gelingt, arbeiten Verwaltung und Unternehmen am Ende effizienter, nachvollziehbarer und nachhaltiger. Das ist für mich der konkrete Beitrag: Weiterbildung, die in regulierten Bereichen tatsächlich die Qualität der Entscheidungen verbessert.

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